Interview

Interview mit Matthias | "Auf dieses Angekommen-Sein freue ich mich am meisten"

 

Matthias fbInterview mit Matthias Hofmann, dem "Neuen" bei VIVA VOCE

Hallo Matthias,

schön, dass du die Nachfolge von MaTe bei VIVA VOCE antreten wirst. Unsere Fans sind natürlich neugierig, wer denn da kommen wird.

Erzähl uns doch ein bisschen was über dich…

Ich bin 33 Jahre jung und wohne derzeit in Passau, einer schönen, malerischen und überschaubaren Stadt am Rande Österreichs. Dort wohne und arbeite ich in der „Stimmburg“, einer echten Burg und betreibe dort eine Gesangsschule. Obwohl ich immer schon tief in mir wusste, dass ich sehr musikalisch bin und ein gutes Rhythmusgefühl habe, war mein musikalischer Lebensweg oft anstrengend und alles andere als geradlinig. Mit der Musik ist häufig ein „Auf und Ab“ verbunden, das wohl jeder Künstler kennt.

Du stammst gebürtig aus Feuchtwangen, ganz in der Nähe von Ansbach im schönen Mittelfranken. Wie bist du dann ausgerechnet in Passau gelandet?

Das war eine reine Bauchentscheidung und eher zufällig, dass es mich nach dem Studium hierher verschlagen hat. Ich hatte hier mit einem Kameramann aus Passau ein Video gedreht und dann zufällig die Burg entdeckt. Eine Burg war für mich so ein „Kindheitsding“, die wollte ich ansehen, reingehen, daraus wurde dann besichtigen und die Frage „Warum eigentlich nicht?“. Passau und die Stimmburg haben eigentlich mich gefunden. Mit vielen aufgeschlossenen, interessierten Leuten, die von meiner Musik angetan waren.

Was für Musik ist das?

Der Song, für den wir damals das Video gedreht haben, heißt „Leuchtturmfunktion“ – das kann man auf Youtube ansehen. Mein erstes Album ist 2011 erschienen und heißt „Cerealitäten“. Es ist ein eher gefühlvolles, fast melancholisches Album, mit Herz, Schmerz, Verarbeitung untermalt mit sanften Klavierklängen. Klavier ist im Studium mein Nebenfach gewesen. Über den Klavierunterricht als kleiner Junge bin ich überhaupt erst zur Musik gekommen, der Gesang kam dann erst später dazu.

Ich liebe Balladen. Dabei ist mir sehr bewusst, dass Balladen auch gerne mal in Schwermut abdriften. Trotzdem glaube ich, dass ich genau diesen Weltschmerz, diese Emotionen recht gut transportieren kann, sozusagen emotionalisieren…

Gute-Laune-Songs singe ich auch gerne, aber ich tue mich damit etwas schwerer. Ich liebe zum Beispiel auch Filmmusik, da habe ich immer gleich ganz große Bilder im Kopf, sogar noch bevor ich den Film gesehen habe.

Hast du generell eine eher emotionale Einstellung zum Leben?

Sagen wir mal so: Von der allgegenwärtigen Leistungsgesellschaft halte ich nicht viel. Ich versuche immer das Leben so zu genießen, wie es gerade ist, bei sich zu sein. Im Zwischenmenschlichen im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Zeilen zu lesen, Dinge auch zu hinterfragen und das nicht Offensichtliche zu entdecken. Das ist generell viel spannender.

Ansonsten würde ich mir manchmal wünschen, etwas pragmatischer zu sein. Ich bin generell nahe am Wasser gebaut, vielleicht wohne ich deswegen jetzt auch am Wasser (lacht). Das Entscheidende ist, zuzulassen, sich zu nehmen, wie man ist. Dann kommen auch die richtigen Menschen auf dich zu. Alles andere führt in die Irre und nicht zu mehr Erfüllung. Deshalb will ich eigentlich doch nicht unbedingt pragmatisch sein. Manches ließe sich im Alltagsleben damit aber leichter lösen.

Matthias, erzähle uns doch noch ein bisschen was über deinen Werdegang.

Ich bin ich Feuchtwangen geboren, wo meine Eltern auch heute noch leben. Nach der Schule habe ich zunächst eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, bevor ich dann zum Studium nach Stuttgart gegangen bin. Dort habe ich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Gesang studiert. Mein Schwerpunkt war dabei Jazz, Pop und moderner Gesang. 2013 habe ich dort mein Examen gemacht und bin dann nach Passau gegangen, um das „Experiment Stimmburg“ zu wagen.

Das Experiment ist gelungen, würde ich mal sagen…

Am Anfang war das nicht einfach. Der Weg in die Selbstständigkeit war in den letzten Jahren schon ein Kampf: Gegen die Miete der Burg, in einer neuen Stadt, in der ich anfangs keinen Schüler, aber riesige Fixkosten hatte. Das war auch mit vielen Zweifeln verbunden.

Wen unterrichtest du in der Stimmburg? War schon mal ein richtiger Senkrechtstarter dabei?

Die Mischung bei meinen Schülern ist recht bunt: Anfänger, Kinder, Chorsänger, die für einen Solo-Part sicherer werden wollen und auch Menschen, die sich einfach mehr mit ihrer Stimme beschäftigen möchten. Was ja auch immer gleichzeitig eine Beschäftigung mit sich selbst ist – wir sind unser eigenes Instrument, im Unterricht geht es immer auch um Selbstwahrnehmung.

Senkrechtstarter… Eine Schülerin, die bei mir war, ist Ina Freund; sie ist bei „Popstars“ ins Finale gekommen. Das könnte definitiv weiter gehen. Ich habe immer wieder Schüler, bei denen ich das Gefühl habe, sie könnten problemlos ins Business einsteigen. Ich gebe aber zu bedenken, dass es nicht nur die Stimme ist, die über eine Karriere in diesem Business entscheidet. Es muss vieles stimmen, unter anderem der Rückhalt in der Familie.

A propos Familie. Wer gehört zu deiner Familie?

Neben meinen Eltern gehören noch mein Bruder und meine Schwester dazu. Beide sind etwas älter als ich und in ganz anderen Berufen tätig. Wir verstehen uns sehr gut, der räumliche Abstand ist mitunter etwas groß, trotzdem sehen wir uns regelmäßig. Von meiner Mutter habe ich meine Musikalität geerbt. Sie ist begeisterte und begeisternde Kirchenchorsängerin und hat schon in vielen anderen Chören gesungen.

Wie verbringst du deine Freizeit?

Gute Frage… was ist das gleich nochmal? (lacht). In den letzten Jahren musste ich mir den Begriff „Freizeit“ erst wieder vorkramen. In den Anfangszeiten der Stimmburg habe ich alle Energie in das Projekt gesteckt. Aktuell habe ich wieder etwas mehr Freizeit, die ich mit Freude gestalte.

Ich habe kein typisches Hobby. Freizeit ist für mich „die Seele baumeln zu lassen“, nichts zu müssen, sich einfach treiben lassen. Da bin ich recht bescheiden. Ich gehe gerne spazieren, ich gehe gerne mal zum Essen.

Ach ja: und in der Garage bei meinen Eltern steht ein kleiner Oldtimer, ein alter amerikanischer Ford. Das klingt vielleicht „fancy“, ist allerdings eher ein große Baustelle. Wenn ich bei meinen Eltern bin, dann schraube ich oft an diesem Auto rum. Gerne auch mit meinem Bruder. Da treffen wir uns auf der gleichen Ebene.

Lass uns mal auf VIVA VOCE zu sprechen kommen: Hast du schon Erfahrung mit A-cappella-Gesang?

Ich war schon in zahlreichen Chören, im Schulchor, im Kirchenchor und auch sonst in verschiedenen Gruppierungen dabei. Aber A-cappella-Gesang ist Neuland für mich.

Kanntest du VIVA VOCE vorher schon?

Na klar! Wenn man in Feuchtwangen aufwächst, kommt man an VIVA VOCE nicht vorbei. Als Jugendlicher dachte ich schon „boah – die sind aber toll!“

Persönlich hatten wir dann vor 8 Jahren schon Kontakt miteinander: ich hatte mich auf die Thomas Position beworben, die dann MaTe bekommen hat. Diesen Kontakt habe ich in unglaublich guter Erinnerung behalten. Es war wirklich gute Energie, die hier bei mir hängen geblieben ist. Von Heiko bekam ich damals eine unglaublich herzliche Absage.

Das klingt irgendwie komisch…

Ist es nicht. Zum damaligen Zeitpunkt war meine Zeit einfach noch nicht gekommen. Da war ich ja gerade mitten im Studium und hätte das dann vermutlich abgebrochen und kopfüber in VIVA VOCE gestürzt. Ich beende aber gerne Dinge, die ich begonnen habe. Und heute gehe ich auch ganz anders an die Aufgabe heran. Heute bin ich deutlich mehr bei mir angekommen. Ich bin ganz anders verwurzelt als damals. Der richtige Zeitpunkt kommt einfach so – und für uns ist eben jetzt der richtige Zeitpunkt.

Bei VIVA VOCE warten ca. 150 Arbeits- und Reisetage pro Jahr auf dich. Wirst du die Stimmburg weiterführen können?

Gute Frage… Sie schwirrt mir schon seit etlichen Wochen im Kopf rum. Die Stimmburg ist bis jetzt meine berufliche Existenz, auf die ich schon stolz bin. Ich bin an sich nicht der Selbstverliebte Typ und gehe mit Stolz eher sparsam um. Aber dass sich die Stimmburg mittlerweile trägt, darauf bin ich schon stolz. Was tun? Es wird natürlich eine Veränderung stattfinden… Aber was und wie sich verändern wird, ist im Moment noch im Entscheidungsprozess. Vielleicht muss ich das auch einfach auf mich zukommen lassen.

Planst du einen Umzug nach Ansbach/Mittelfranken?

Nichts ist unmöglich… Natürlich stehen auch diese Überlegungen im Raum. Aber für solch grundlegende Entscheidungen ist es jetzt eindeutig noch zu früh.

Auf was freust du dich bei VIVA VOCE am meisten?

Auf den Moment, wenn die ersten Auftritte vorüber sind, die erste, ganz große Aufregung sich gelegt hat, wenn ich angekommen bin und der Genuss dazu kommt. Ich freue mich darauf, bewusst genießen zu können, dass ich mit vier unglaublich lieben Menschen und begnadeten Sängern auf der Bühne stehe und dazu gehöre. Auf dieses Angekommen-Sein freue ich mich am meisten.

Du und MaTe singt beide Bariton. Gibt es sonst noch Gemeinsamkeiten?

Um das beurteilen zu können, kenne ich MaTe nicht gut genug. Ich weiß, dass MaTe ein toller Typ und Sänger ist. Ich konnte ihn in Gunzenhausen ein bisschen beobachten. Von ihm geht eine unglaublich gute Energie aus, die auch zwischen uns beiden herrscht. Es sind nicht alle Menschen so wohlwollend. Mate hat keinerlei „Konkurrenz“ auf der Stirn stehen. Ich meine sogar fast, eine Art Erleichterung gespürt zu haben, dass alles gut weiter geht. Ich hoffe sehr, dass es sich für ihn auch so gut anfühlt wie für mich.

Prinzipiell kann und will ich nicht in seine Fußstapfen treten. Ich möchte frischen Wind in VIVA VOCE bringen, die Band freut sich auch darauf. Ich bin schon sehr gespannt. Natürlich werden wir nicht das Rad neu erfinden oder alles umwerfen. Aber ich darf mich einbringen und wir sind sehr neugierig aufeinander. Anfangs ist es erst einmal viel Arbeit, viele neue Songs und ein gegenseitiges Kennenlernen. Ich will erst einmal meinen eigenen Platz finden, mich behaupten, wo es nötig ist und den Teamgedanken leben.

Die Energie eines Teams hat mir in den letzten Jahren gefehlt. Die Arbeit mit den Schülern ist ein one-to-one business, wo oft der kollegiale Austausch zu kurz kommt. Ich freue mich sehr auf den Teamgeist. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit und blicke dankbar auf alles was wir gemeinsam erleben dürfen.

Viel Glück und herzlich willkommen bei VIVA VOCE. Vielen Dank für das Gespräch.



 

 



 

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